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Kreta

Kreta - Ursprung Europas

Auch wenn es vielen Kretern und ihren Freunden nicht gefällt: Kreta ist ein Ziel des Massentourismus. Die Ferienprospekte versprechen 300 Sonnentage im Jahr, Badesaison von Mai bis Ende Oktober, vielfältige Wassersportmöglichkeiten, herrliche Wanderrouten, liebenswerte, gastfreundliche Einheimische, sehenswerte archäologische und byzantinische Stätten und - alles stimmt.

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Auftakt

Kreta - Ursprung Europas

Jahr für Jahr kommen mehr Urlauber nach Kreta. Jahr für Jahr entstehen neue Hotels, fliegen mehr Jets nach Iraklion und Chania, legen noch mehr Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Iraklion an. Auch wenn es vielen Kretern und ihren Freunden nicht gefällt: Kreta ist ein Ziel des Massentourismus. Die Ferienprospekte versprechen 300 Sonnentage im Jahr, Badesaison von Mai bis Ende Oktober, vielfältige Wassersportmöglichkeiten, herrliche Wanderrouten, liebenswerte, gastfreundliche Einheimische, sehenswerte archäologische und byzantinische Stätten und - alles stimmt. Aber es sind eben Versprechungen: Einlösen muss sie jeder Kreta-Reisende selbst.

Eine strahlende Hochkultur

Wer sich auf Kreta an den Badestrand oder Pool seiner Hotelanlage zurückzieht, wird sich prächtig erholen. Doch ihm entgeht viel. Denn Kreta ist weit mehr als eine schöne sonnige Insel, Kreta ist die geistige Heimat Europas. Hier existierte lange bevor das Festland erwachte eine Hochkultur, von der das Europa der Aufklärungszeit als Goldenem Zeitalter hätte träumen können - wenn es diese Kultur gekannt hätte! Die Geschichte der Entdeckung dieser frühen europäischen Blütezeit ist fast so aufregend wie die Epoche, die ans Licht kam. Bis Ende des 19. Jh. standen die Mythen der Griechen für die Anfänge Europas, galten die - ein frühes Idiom des Griechischen sprechenden - Mykener als die ersten Europäer. Unsere Vorfahren lernten sie als Fantasiegestalten Homers kennen und staunten nicht schlecht, als Heinrich Schliemann ihre Königssitze aufspürte und ausgrub.

Zur gleichen Zeit beschäftigte sich Arthur Evans in England mit ungewöhnlichen Siegelsteinen, die weder ägyptisch noch mykenisch waren. Er fand heraus, dass sie von Kreta stammten: geheimnisvolle Boten einer unbekannten Epoche. Und als 1878 der Kreter Minos Kalokerinos auf einem türkischen Landgut bei Iraklion Magazine mit großen Vorratsgefäßen entdeckte, waren sie die ersten Hinweise auf diese unbekannte frühe Kultur.

Doch erst 1898, als die Insel Kreta aus dem Osmanischen Reich herausgelöst war, konnte Evans das Grundstück erwerben. Am 23. März 1900 begann er auf eigene Kosten am Hügel Kephala, dem antiken Knossos, zu graben und kam 25 Jahre nicht mehr von ihm los. Was er der Weltöffentlichkeit berichtete, erregte ungläubiges Staunen: Hier gab es eine architektonisch raffinierte, riesige, verwinkelte Palastanlage; Fresken von bezaubernder Farbigkeit, die ein heiteres, ganz unkriegerisches Dasein vor Augen führten; Kultgegenstände, die von Göttinnen, Heiligtümern und Stierspielen berichteten; Archive, die auf ein perfektes Verwaltungswesen hinwiesen; kurzum: eine frühe, von tiefer Religiosität geprägte, strahlende Hochkultur.

Seither haben Archäologen an vielen Orten auf Kreta Zeugen dieser frühen Kultur gefunden und festgestellt, dass die frühgriechische Zeit unmittelbar an diese minoische Kultur anknüpfte. Im Mythos, Kult und Rechtswesen wurde vieles bewahrt - doch der heitere, friedliche Grundtenor ging verloren. Schon die kampflustigen Mykener, die ab 1450 v. Chr. in Knossos herrschten, waren in dieser Beziehung aus anderem Holz geschnitzt und insofern echte Protagonisten der europäischen Geschichte. Das Goldene Zeitalter blieb nur als Ideal im Bewusstsein Europas.

Hohe Berge, tiefe Schluchten

Landschaftlich ist Kreta von einer Vielgestalt, wie sie keine andere Mittelmeerinsel bietet. Die Nordküste der 260 km langen Insel ist weitgehend flach, doch dicht hinter dem Küstenstreifen steigen die aus Kalken aufgebauten Bergmassive bis auf Höhen von 2500 m auf. Zur Südküste stürzen sie in wilden Steilhängen ab. Erosion hat die Kalkberge ausgehöhlt wie einen Schweizer Käse: Auf keiner Insel gibt es so viele Höhlen (mehr als 3000) wie auf Kreta, nirgends haben Winterregen und Flüsse so zahlreiche steilwandige, schmale und bizarr geformte Schluchten ins Gestein gegraben. Die viel begangene Samaria-Schlucht ist nur die berühmteste unter ihnen.

Farbenzauber der Natur

Dass auch die Pflanzenwelt mit ihren rund 3000 Arten etwas Besonderes ist, wird nicht jeder Kreta-Reisende sofort bemerken. Denn wer im Herbst die ausgetrocknete Landschaft sieht, ist eher enttäuscht. Dafür zeichnen sich dann die schroffen, wildzackigen Gesteinsformen klarer und deutlicher vor dem blauen Himmel ab und im Binnenland schimmern im Herbstwind die ausgedehnten Olivenhaine wie Silberseen. Für Botaniker ist die aus dornigen, stacheligen und halbkugeligen Polstern gebildete Phrygana die interessanteste Flora Südgriechenlands, die sich mit ihren kleinen, lederharten oder zu Dornen mutierten Hartlaub-Blättern der Sommertrockenheit angepasst und durch ätherische Öle und bitteren Milchsaft dem Viehfraß widersetzt hat.

Wer kein Botaniker, aber ein Freund der Pflanzen ist, wird im Frühjahr kommen. Dann blühen zuerst blassweiß und rosafarben Mandelbäume und Asphodelen, Kirsch- und Apfelbäume; unter den Olivenbäumen breiten sich Kronenmargeriten und Mohn wie prachtvolle gelbe und rote Teppiche aus, die Weinberge stehen in hellem Grün, an den Berghängen leuchten zartfarbene Orchideen, rote Zistrosen und signalgelber Ginster. Und ab Mitte Mai entfalten Hibiskussträucher in den Gärten ihre scharlachrote Farbenpracht, während an Bach- und Straßenrändern Oleanderbüsche verschwenderisch blühen.

Stolz und Ehre

Wer Kreta durchwandert oder -fährt, wird immer den Menschen begegnen. Sie sind zurückhaltend und stolz, hilfsbereit und liebenswürdig, und nur derjenige, der ihre Geschichte kennt, wird sie wirklich verstehen. Denn nach dem minoischen Zeitalter und der Einwanderung dorischer Stämme kamen zuerst Römer als Besatzer, dann Sarazenen, ab 1212 katholische Venezianer und schließlich für 250 Jahre muslimische Türken. Erst seit etwas mehr als 100 Jahren (1898) können die Kreter selbstbestimmt leben. Dass sie während der 700 Jahre dauernden Herrschaft Andersgläubiger ihrem griechisch-orthodoxen Glauben treu blieben, ja, dass dieser Glaube ihren Widerstandswillen prägte und stärkte, spürt auch der unwissende Besucher, der die ungezählten byzantinischen Kapellen und Kirchen, die vielen, heute z. T. verlassenen Klöster sieht. Obwohl die meisten der Kirchen klein, fast unscheinbar wirken, überraschen sie den Eintretenden mit der warmen, dunklen Leuchtkraft ihrer Fresken und Ikonen, sind Zeugen der orthodoxen (rechtgläubigen) Welt. Heute findet auf Kreta eine friedliche Invasion statt, die nicht minder bedrohlich ist, weil moderne Lebensweise, technischer Fortschritt und materielle Profite das Leben rascher verändern als die Zeit der Unterdrückung. Jeder Ausländer sollte sich bemühen, in Verhalten und Kleidung die Traditionen der Kreter zu respektieren.

Der Reiseführer

Dieser Führer will dem Reisenden bei der Begegnung mit Kreta, mit seiner Geschichte, den Denkmälern und Menschen helfen. Um den Band handlich zu halten, werden die wichtigsten Ereignisse der Geschichte und Kultur kurz vorgestellt. Der Hauptteil ist in drei große Kapitel unterteilt, die zunächst dem Herz der Insel, Zentralkreta, danach Ostkreta und schließlich dem mit enormem Tempo dem Tourismus erschlossenen Westen gewidmet sind. Innerhalb dieser Hauptkapitel sind die sehenswerten Stätten und Orte in nummerierte Einzelpunkte gegliedert, sodass jeder Urlauber rasch diejenigen Ziele ausmachen kann, die für ihn interessant sind. Den Besichtigungstexten sind Praktische Hinweise mit vor Ort hilfreichen Informationen angegliedert. Auf besondere Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants etc. weisen die Top Tipps hin, die Übersichtskarten in den Umschlagklappen und zahlreiche Pläne erleichtern die Orientierung. Die Auswahl der Sehenswürdigkeiten ist aufgrund langjähriger Reiseleiter-Erfahrung erfolgt. Dass nicht alle Wanderwege, Mountainbike-Routen, Wassersportzentren erwähnt werden können, liegt auf der Hand. Themenkästen sollen die Informationen vertiefen und dem Leser Lust machen, sich näher mit speziellen Themen und der so reich vorhandenen Originalliteratur und Musik zu befassen. Schließlich stammen mehrere der bekanntesten modernen Dichter und Musiker Griechenlands von Kreta. Am berühmtesten: Nikos Kazantzakis; nicht minder bekannt: der aus Rethimnon stammende Dichter Prevelakis. Und dass jemand nach dem Welterfolg des Films Alexis Sorbas den Komponisten Mikis Theodorakis nicht kennt, ist wohl ausgeschlossen. - Der Aktuelle Teil soll bei der Vorbereitung und dem Aufenthalt im Land in praktischen Fragen behilflich sein. Ein Sprachführer schließt den Band ab. Und so wünschen wir:

»Kaló taxídi!« - »Gute Reise!«

© ADAC Verlag GmbH

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2 Kommentare

Stolz und Ehre...

"Jeder Ausländer sollte sich bemühen, in Verhalten und Kleidung die Traditionen der Kreter zu respektieren."

Man reist doch als Tourist auch wieder ab und zahlt obendrein viel Geld an diese, anscheinend vom aussterben bedrohten Kreter. Den Satz da sollte man lieber jedem Einwanderer eintrichtern.

Kreter und Freunde

Damit die Hochkultur bleibt sollte die Insel Kretern und Freunden zurückgegeben werden und nicht Kraft durch Freude ala Hilter und in Form von Massentourismus gefördert werden, sonst ist das nächste Atlantis vorprogrammiert!
Die Zerstörung ist nicht mehr tragbar!

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